Aktuelles

07/2018

Silvia Höfer

HebammenWissen macht’s möglich …

... die Eintrittskarte in die Welt«

Als kleines Mädchen verschlang ich die Reise- und Abenteuerberichte von Frauen, und mir war klar, dass ich einen Beruf finden wollte, der überall gebraucht wird, damit ich selbst einmal in die Welt reisen kann. So wurde ich Hebamme. Nach bestandener Prüfung konnte ich zwischen verschiedenen Angeboten wählen und entschied mich für das, was mich am besten auf meine Arbeit in anderen Ländern vorbereiten konnte. Um auch Wissen zu außerklinischen Gebärunterstützungen zu erwerben, besuchte ich Kolleginnen in Holland, Irland, Italien, Schweden und Dänemark.

An meinem Arbeitsplatz kritisierte ich recht forsch, was mir missfiel. Ich hatte in meinem damaligen Chef einen Menschen, der mit seinem Satz: »Ja, dann mach es doch anders, Mädchen!« einerseits meine Wut kitzelte, andererseits meine Wissbegier unterstützte. So bekam ich für jeden Kongress – selbst im Ausland – Bildungsurlaub. Wütend war ich über das »Mädchen« statt »Frau Verleger«, meines Mädchennamens, aber dankbar über die Möglichkeit, mich weiterbilden und Erfahrungen tauschen zu können.
Ich begann,  über Alternativen zum Krankenhaus nachzudenken. Schon bald fand ich Mitstreiterinnen und in vielen schwangeren Frauen interessierte Unterstützerinnen, mit denen ich 1982 den Verein »Geburtshaus für eine selbstbestimmte Geburt« gründete, aus dem später das erste Geburtshaus in Berlin hervorging.

Als es mich nach Jahren der Berufspraxis in die weite Welt zog, entschied ich mich für Südindien und später für den Sudan. So hatte ich die Chance, viel Neues über unterschiedliche Bräuche um die Geburt herum und die Sichtweisen auf das Leben zu lernen. Meine Kompetenz als Hebamme war desto mehr gefragt, je mehr ich lernte, sie mit dem Gebärerfahrungsschatz der dortigen Kulturen zu verbinden. Je mehr ich von ihren Traditionen verstand, umso mehr konnte ich mich einbringen. Mit diesen Erfahrungen eröffnete ich 1985 meine eigene Praxis in Berlin und ein paar Jahre später gemeinsam mit anderen Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzten eine Gebärpraxis auf dem Gelände des Wenckebach-Klinikums.

In meinem Leben gab es immer wieder Situationen, in denen ich mehr Geld benötigte, als ich mit meinem eigentlichen Beruf verdienen konnte. Doch ich erntete Vorschusslorbeeren mit ihm. Mir kam der gute Ruf der Hebammen zu Hilfe. Als ich meine Tochter finanziell in ihrem Auslandsschuljahr in Neuseeland unterstützen wollte, hörte ich glücklicherweise von einem gut dotierten Job im Modehaus Chanel in Berlin. Genommen wurde ich mit der Begründung: »Als Hebamme haben Sie die Erfahrung, auch mit schwierigen und unentschlossenen Kundinnen klarzukommen!«

Aber auch meine Bücher, die ich später schrieb, profitierten von meinem über lange Jahre erworbenen Hebammenwissen.
So schätze ich mich glücklich, dass das Hebammenwissen weltweit von vielen Frauen gesucht und gewünscht wird und der Beruf der Hebamme eine sichere Perspektive ist.

Silvia Höfer | Autorin, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Hebammenforums, www.silviahoefer.de

Unter dem Motto:

»HebammenWissen macht’s möglich« lädt der DHV vom 27. bis 29. Mai 2019 zum 15. Hebammenkongress nach Bremen ein. Zur Einstimmung auf den Kongress haben wir verschiedene Personen nach ihren Gedanken zum Thema Hebammenwissen befragt. Die Hebammenforum-Redaktion