Aktuelles

01/2019

Dr. rer. med. Christine Loytved

HebammenWissen macht’s möglich …

… dass neue Fragen in einer Fachdisziplin entwickelt werden, deren Bezeichnung noch nicht ganz feststeht«

Wird die Fachdisziplin »Erweiterte Geburtshilfe« Reproduktions- oder Hebammenwissenschaft genannt werden? Wir werden es sehen. Die Fragen, die sich diese Fachdisziplin stellt und stellen wird, wachsen jetzt schon heran. Sie betreffen erstens die Grundlagen des Fachs, die wie selbstverständlich scheinen, aber doch genauer zu betrachten sind. Dazu gehört die einfache Frage nach der Dauer einer Schwangerschaft. Leider ist diese überhaupt nicht einfach zu beantworten – weder die durch Franz Carl Naegele (1778 bis 1851) bekannt gewordene Regel noch die Ultraschalluntersuchung geben adäquate Auskünfte.

Zweitens werden Vorgehensweisen wie diese hinterfragt werden: Oxytocin für die Einleitung wird bislang per Infusiomat als Dauerbetropfung gegeben. Warum nicht die Physiologie nachahmen und es bolusartig verabreichen oder gleich der Gebärenden die Taktung überlassen? Zum Dritten sollte gefragt werden, auf welcher theoretischen Basis die Fachdisziplin angesiedelt ist. Bietet die Salutogenese ein ausreichend breites Fundament? Weitere Fragen tun sich auf: Welchen Fokus hat die Fachdisziplin? Wie kann sie das Bedürfnis derjenigen, denen die Fachdisziplin dienen soll, am besten berücksichtigen?

Mein Fazit ist: Hebammenwissen macht Querdenken möglich. Ich freue mich, mit meiner Forschung zur Hebammengeschichte etwas dazu beitragen zu können, und bin gespannt auf diese neue Fachdisziplin.

Dr. rer. med. Christine Loytved | Dozentin am MPH, Institut für Hebammen, Departement Gesundheit, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Unter dem Motto:

»HebammenWissen macht’s möglich« lädt der DHV vom 27. bis 29. Mai 2019 zum 15. Hebammenkongress nach Bremen ein. Zur Einstimmung auf den Kongress haben wir verschiedene Personen nach ihren Gedanken zum Thema Hebammenwissen befragt. Die Hebammenforum-Redaktion