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“Wir Hebammen sind unverzichtbar!”

"Wir Hebammen sind unverzichtbar!"

Rede der Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. zur Eröffnung des 15. Deutschen Hebammenkongress in Bremen, Mai 2019 (Es gilt das gesprochene Wort.)

Herzlichen Dank für diese schönen Grußworte, die wir gerade erhalten haben!

Sie berühren mich sehr. Denn sie zeigen eine große Wertschätzung für die Arbeit des Deutschen Hebammenverbandes. Und vor allem zeigen Sie eine große Wertschätzung für die Arbeit der Hebammen. Von Ihnen allen, liebe Kolleginnen, die Sie tagtäglich wunderbare Arbeit leisten und Frauen kompetent und empathisch in der Schwangerschaft, während der Geburt und auch im Wochenbett betreuen.

Hebamme ist einer der ältesten Berufe der Welt. Und ich sage: Hebamme ist der schönste Beruf der Welt!

Er kann auch im wahrsten Sinne des Wortes aufreibend sein: nämlich dann, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Liebe Kolleginnen,

wir erleben gerade eine wirklich aufregende Zeit. Das Jahr 2019 ist für uns Hebammen ein spannendes Jahr. Ein hartes Jahr. Ein Jahr des Wandels. Viele Veränderungen stehen an oder sind sogar schon mitten im Gange. Und vieles liegt im Argen! Besonders in der klinischen Geburtshilfe. Das Jahr 2019 läutet einen Umbruch für uns Hebammen ein und bringt große Herausforderungen mit sich. Umbruch. Herausforderungen – Das kann einem auch ganz schön Angst oder Sorgen machen. Muss es aber nicht! Denn eines ist klar: Wir Hebammen sind starke Frauen. Frauen, die etwas können und die einen wachen Blick haben für das, was um uns herum vor sich geht. Wir haben viele Pfunde, mit denen wir wuchern können – auch in harten Zeiten!

Wir Hebammen sind die einzige Berufsgruppe, die sich kontinuierlich um Mutter und Kind bereits in der Schwangerschaft, während der Geburt und auch danach kümmert. Diese Einzigartigkeit bedeutet auch, dass uns Hebammen in dieser sensiblen Zeit eine ganz besondere Bedeutung zukommt: Wir alle setzen uns tagtäglich dafür ein, dass Frauen und Kinder diese Zeit so gut – und wohltuend! – wie möglich erleben.

Aber wie ich schon sagte: Unser Beruf ist unter den gegenwärtigen Bedingungen oft auch sehr aufreibend. Wir alle wissen, dass in Deutschland gerade in der Geburtshilfe einiges im Argen liegt. Und genau das müssen und das werden wir ändern!
Aber nicht alleine. Wir brauchen dafür viele Verbündete in unserer Gesellschaft. Es wird garantiert nicht leicht und wir haben rein formal nicht die Macht, große Veränderungen im Gesundheitswesen umzusetzen. Aber wir haben unser Wissen, unsere Expertise und viele Ansatzpunkte und Ideen, einen positiven Wandel anzustoßen. Und ganz wichtig: Wir Hebammen haben bereits viele Verbündete: bei den Müttern, den Eltern und Familien und auch in der Wissenschaft und Politik.
2019 ist ein Jahr des Umbruchs und des Wandels. Liebe Kolleginnen, wir merken es sehr deutlich – es tut sich endlich etwas in der öffentlichen Wahrnehmung! Und das macht mir keine Angst, das macht mir Mut! Lassen Sie mich erklären was ich meine: Das Wort Hebammenmangel taucht allerorts auf. Viele sprechen von einer Krise der Geburtshilfe. Ich auch – wenn auch aus anderen Gründen als viele Ärzte oder Politiker.

Nachdem wir jahrelang darauf aufmerksam gemacht haben, dass sich in Deutschland ein Hebammenmangel anbahnt – und jetzt schmerzlich spürbar besteht – wird dieser Mangel derzeit in manchen Kreisen als von Hebammen selber gemacht dargestellt. Laut dieser Leute sind wir Hebammen selber an der Misere Schuld: freiberufliche Hebammen würden sich nicht mehr von den Frauen finden lassen. Und auf freie Stellen in den Kreißsälen würden sich Hebammen sich auch nicht mehr bewerben. Weil wir angeblich gar nicht mehr als Hebammen arbeiten wollen würden – und schon gar nicht in der Geburtshilfe. Ich sage diesen Leuten: Das ist zynisch! Und eine Beleidigung für alle Hebammen, die schweren Herzens ihre Berufung an den Nagel gehängt haben. Für alle Hebammen, die sich tagtäglich für Frauen und ihre Kinder vor-, während und nach der Geburt einsetzen! Und es missachtet den Einsatz all der Kolleginnen, die trotz zum Teil aufreibender Arbeitsbedingungen Tag für Tag an der Seite der Frauen stehen. Die mit Liebe und Leidenschaft einen großartigen Job machen. Solche Unterstellungen empören mich durch ihre Engstirnigkeit und Kurzsichtigkeit enorm.

Aber: Liebe Kolleginnen,

diese Unterstellungen zeigen auch etwas Gutes. Denn sie bedeuten, dass endlich anerkannt wird, dass Frauen mittlerweile fast überall in Deutschland auf die Hebammenbetreuung verzichten müssen, die sie brauchen. Und dies unabhängig davon in welchem Setting sie sind oder in welcher Phase des Kinderkriegens sie sich befinden. Es ist wird endlich auch öffentlich wahrgenommen: Frauen brauchen uns und was wir ihnen bieten. Frauen und ihre Kinder brauchen Hebammen – und es fällt schmerzlich auf, wenn wir fehlen! Denn wir Hebammen sind unverzichtbar!

Mich ärgert an dem Punkt vor allem, dass es immer erst weh tun muss, bevor in Politik und Gesellschaft reagiert wird. Sogar bei einer so wichtigen Frage wie dem Start ins Leben. Der Geburt. Und nun sind alle ratlos und fragen sich: wo sind die ganzen Hebammen, die wir seit Jahren ausbilden denn hin? Wir hatten in der Tat noch nie so viele Hebammen in Deutschland wie wir – rein rechnerisch – jetzt haben müssten. Und fast immer gab es deutlich mehr Geburten als in den letzten Jahren, selbst wenn es derzeit mal wieder etwas mehr werden. Theoretisch müssten wir also ein sehr komfortables Verhältnis von Frauen und Geburten zu Hebammen haben. Trotzdem finden viele Frauen keine Hebamme, egal ob in der Vorsorge, für die individuelle Geburtsbegleitung oder im Wochenbett. Es gibt also einen objektiven Mangel an Hebammen, obwohl wir so viele ausgebildete Kolleginnen haben wie noch nie.

Wir alle wissen aus eigenen Erfahrungen, dass wir Hebammen in einem fatalen Kreislauf aus Überlastung, schlechten Arbeitsbedingungen und fehlender Zeit für die individuelle Betreuung der Frau stecken – und zwar so weit, dass viele Kolleginnen lieber den Beruf hinschmeißen als unter den vorhandenen Bedingungen weiter zu arbeiten. Und genau diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen! Und dafür brauchen wir eine gnadenlos ehrliche Analyse, was für Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten Hebammen für ihren Job brauchen und wollen. Damit sie eben nicht nach ein paar Jahren in der klinischen Geburtshilfe aufgerieben sind.

Wenn wir den Kreislauf der immer belastender werdenden Geburtshilfe durchbrechen wollen, wenn wir wieder mehr Kolleginnen und Kollegen für die Betreuung der Schwangerschaft und des Wochenbettes zurück und neu gewinnen wollen, dann werden wir in Deutschland und wir als Hebammen eine ganz grundlegende Sache tun müssen: Wir müssen unseren Beruf weiterentwickeln! Die Akademisierung der Ausbildung mag ein erster Schritt sein, aber doch lange nicht das Ziel! Wir wollen die bestmögliche Geburtshilfe und das bestmögliche Hebammenwissen. Wie unser Kongress-Motto schon sagt: Macht es möglich!

Hebamme sein bedeutet auch immer, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen. Das Bewusstsein dafür zu haben, dass nicht nur jede Geburt einzigartig ist, auch jede Frau ist einzigartig und hat ein Recht auf ein gutes Geburtserlebnis. Wenn wir für eine gute Geburtshilfe und gute Hebammenversorgung streiten, dann kämpfen wir immer auch für die Rechte der Frauen und Kinder. Das können wir aber nur in dem Maße tun, indem auch unser eigenes Wohl gewahrt ist. Und deswegen kann ich dies gar nicht oft genug betonen: Sich für die Rechte der Frauen einzusetzen bedeutet im Umkehrschluss, sich für die Rechte der Hebammen einzusetzen. Denn wir sind Frauen – fast alle von uns – und wir stehen an der Seite der Frau in einer der wichtigsten und prägendsten Phase ihres Lebens! Es stimmt, dass einige wenige von uns Männer sind. Und für sie gilt genau das gleiche: Sie sind Hebammen und stehen an der Seite der Frauen! Und wir müssen ALLE – nicht nur wir Hebammen – alle in der Geburtshilfe Tätigen – müssen endlich wieder auf die Frauen hören. Es reicht nicht, von der Politik den einen oder anderen Runden Tisch Geburtshilfe einzuberufen.

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel! Auch in Deutschland muss endlich deutlich werden, wie wichtig eine würdevolle Geburtshilfe, nicht nur für Mütter und ihre Kinder ist, sondern für die Familie und die ganze Gesellschaft. Für uns bedeutet würdevolle Geburtshilfe eine bedürfnisorientierte, individuelle Betreuung und Beratung vom ersten Kinderwunsch der Frau bis zum Ende des ersten Lebensjahrs des Kindes. Auf den guten Start ins Leben kommt es uns an!

Lassen Sie mich das etwas ausführen: Die Geburt eines Kindes ist das tiefgreifendste Ereignis im Leben einer Frau und einer Familie. Das Wohlbefinden und der gesundheitliche Zustand von Mutter und Kind haben einen ganz bedeutenden Einfluss auf den zukünftigen Gesundheitszustand und das Wohl der ganzen Familie. Dabei ist nicht nur der physische Gesundheitszustand nach der Geburt, sondern ebenso das positive Erleben von Schwangerschaft und Geburt für Frau und Kind ausschlaggebend. Frauen haben ein Recht darauf, Schwangerschaft, Geburt und auch das Wochenbett sicher und selbstbestimmt zu erleben. Kinder haben ein Recht darauf, ohne unnötige Traumata zur Welt zu kommen.

Dies anzuerkennen bedeutet auch anzuerkennen, dass Frauen unter der Geburt die bestmögliche Betreuung erhalten müssen. Dass sie und ihre Kinder ein Recht darauf haben. Und die bestmögliche Betreuung ist eine kontinuierliche Hebammenbetreuung! Das belegen Studien weltweit. In der Geburtshilfe bedeutet “Continuity of Care” eine Eins-zu-Eins-Betreuung der Frauen durch die Hebamme in der aktiven Geburtsphase. In der Zeit davor und danach bedeutet das eine Hebamme für jede Frau – und nicht nur für manche!

Eine solche Betreuung ist in vielen europäischen Ländern gar nicht anders vorstellbar. Sie ist dort lang geübte Praxis. Ich komme zum Beispiel gerade aus Island – und dort betreuen ZWEI Hebammen EINE Frau unter der Geburt. DAS nenne ich Qualität! Bei uns ist es jedoch spätestens seit der Einführung der DRG so, dass Hebammenstellen kontinuierlich abgebaut werden und Hebammen dadurch immer mehr Frauen gleichzeitig betreuen müssen. Weil gerade eine zugewandte, empathische Betreuung – also die gekonnte Nichtintervention – sich nicht in unserem Abrechnungssystem wiederfindet. Sie ist leider keine Maßnahme des Katalogs der Diagnose Relevanten Gruppen. Das wachsame Betreuen der Geburt, das bewusste nicht Eingreifen in die natürliche Geburt erfordert viel Wissen. Es erfordert Hebammenwissen! Es ist der Kern der Hebammenkunst. Und genau das wird vom Deutschen DRG-System nicht honoriert. Und damit wurde die reine Betreuung der Geburt durch Hebammen für Kliniken unwirtschaftlich. Hebammen für die individuelle Betreuung der Frauen vorzuhalten war und ist für Kliniken – rein wirtschaftlich – ein Verlustgeschäft. Um es stark verkürzt auf den Punkt zu bringen: Interventionen unter der Geburt bringen den Kliniken eben mehr Geld als eine natürliche Geburt.

Dies hat dazu geführt, dass über Jahre hinweg freie Hebammenstellen immer wieder nicht ausgeschrieben wurden. In meiner Zeit als Landesvorsitzende habe ich so viele Telefonate mit Kolleginnen geführt, die mir mitteilten, dass eine Kollegin in Rente, eine andere in Elternzeit, geht und die Stelle nicht ausgeschrieben wird. Die Hebammen haben eine enorme Arbeitsverdichtung erfahren und viele Kolleginnen – laut unserer Umfrage 20% der Hebammen – viele Kolleginnen können ihren Freundinnen und Verwandten ihre eigene Abteilung nicht mehr als Geburtsort empfehlen. Das ist ein hartes Urteil über die eigene Arbeitsstätte. Und belastet die Kolleginnen physisch und psychisch ganz enorm. Und ich sage: Das kann nicht sein. Das muss sich wieder ändern!

Denn so wie jede Frau ein einzigartiges und positives Geburtserlebnis verdient hat, so hat – liebe Kolleginnen – jede Hebamme verdient stolz darauf zu sein, was sie tagtäglich leistet. Jede Hebamme soll stolz darauf sein, dass sie tagtäglich mit viel Leidenschaft und Empathie Kinder auf die Welt begleitet. Und dass sie Frauen dabei unterstützt Mutter zu werden. Und nichts – aber auch gar nichts – darf diesen Stolz schmälern. Auch nicht die Arbeitsbedingungen.

Hebammen haben es zunehmend satt unter Bedingungen zu arbeiten, die sie für sich selbst und nahestehende Frauen als Geburtsbetreuung nicht akzeptieren würden. Hebammen wollen eine gute Betreuung und Geburtshilfe leisten. Dafür haben wir alle einmal mit unserem Beruf angefangen! Das ist unser Herzblut!

Und da liegt die Crux. Ohne eine deutliche und für Frauen und Hebammen spürbare Verbesserung der Geburtshilfe, werden wir nie genügend Hebammen finden. DAS ist das eigentliche Problem des vielfach beschrienen Hebammenmangels. Und es legt die Lösung gleich Nahe: Wenn es so ist, dass Hebammenstellen bei den jetzigen Bedingungen nicht mehr besetzt werden können, dann kann die Antwort darauf nur lauten, dies ernst zu nehmen und die Arbeitsbedingungen zum Besseren zu verändern. Es müssen Arbeitsbedingungen entstehen, die es Hebammen ermöglicht die Geburtshilfe auszuüben, für die sie sich bei ihrer Berufswahl entschieden haben: Wir Hebammen wollen Frauen kompetent und empathisch zur Seite stehen und sie individuell und bedürfnisorientiert betreuen. Uns ist es wichtig jede Frau in die Lages zu versetzen, dass sie für sich selbst entscheiden kann, welche Position und welches Vorgehen jetzt für sie richtig ist.

Ich kann ganz klar sagen: wenn wir wieder mehr Hebammen wollen, dann müssen schlichtweg Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Hebammen ermöglichen, ihr in der Ausbildung und im Studium erlerntes und erprobtes Wissen anzuwenden. Für eine frauen- und familienzentrierte Geburtshilfe. Für das Wohl von Frau und Kind.

Wir sind in der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr reicht, die soeben freigewordene Stelle auszuschreiben. Hebammenteams müssen sich massiv vergrößern. Das gesamte Team in der Geburtshilfe muss wieder besser aufgestellt werden. Es leiden ja nicht nur wir und die Frauen unter der Situation. Die Ärztinnen, Kinderkrankenschwestern und alle anderen im Team leiden ja auch.

Und wissen Sie was? Wir haben beschlossen, Jens Spahn etwas nachzuhelfen. Wir haben richtig gute Eckpunkte für ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz entwickelt. Diese haben wir Anfang des Jahres dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt. Und zwar mit allem was es braucht, um von Seiten des Gesetzgebers und der Politik die anfangs erwähnte “Krise der Geburtshilfe” abzustellen.
Jetzt fordern wir ein, dass wir nicht bei der Akademisierung der Ausbildung stehen bleiben.

Wir fordern: Die Vergütung aller zusätzlichen Hebammenstellen. Wir brauchen eine eins-zu ein-Betreuung für alle Frauen, und zwar schnell!

Wir fordern den Abbau von Hierarchien im Krankenhaus. Denn wir brauchen eine richtige, interprofessionelle Teamarbeit! Auf Augenhöhe! Eine Teamarbeit, in der das volle Potential jeder Berufsgruppe für die Frauen und die Kinder genutzt wird!

Und wir fordern, dass Hebammen sofort von allen fachfremden Tätigkeiten befreit werden. Kein Putzen, kein telefonieren, keine Materialien beschaffen. Unsere Zeit gehört den Frauen!
Wir brauchen einen kulturellen Wandel in der Geburtshilfe – aber auch in der Betrachtung der Rolle und dem Können der Hebamme.

Unsere Arbeit ist bedeutend.

Wir sind Expertinnen. Wertvolle Expertinnen, sowohl eigenständig als auch im Team mit Ärzten und Pflegenden im Kreißsaal. Bei der Unterstützung von Hausgeburten, bei der Beratung in der Schwangerschaft, beim Stillen und der Begleitung der Bindung von Mutter und Neugeborenen. Wir sind Expertinnen, wenn nicht nur ein Kind, sondern auch eine Mutter geboren wird. Wenn aus einer Partnerschaft eine Familie wird.

Liebe Kolleginnen, wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir haben aber auch schon richtig viel erreicht: Dass wir einen so guten Entwurf für ein neues Hebammengesetz erhalten haben wie diesen, der so viele unserer Ideen aufgegriffen hat – das hat unser aller Erwartungen übertroffen.
Es zeigt, dass wir in der Lage sind, mit langem Atem, kontinuierlicher und beharrlicher Arbeit, mit mutigem Voranschreiten, Dinge in Deutschland zum Besseren zu wenden. Das haben wir deswegen geschafft, weil der DHV ein starker Hebammenverband ist. Wir haben es dadurch geschafft, dass wir nach außen mit einer Stimme sprechen. Wir haben es auch deswegen geschafft, weil wir uns gemeinsam für die Verbesserung einsetzen. Alle Hebammen, alle Praktikerinnen, alle Wissenschaftlerinnen und alle Berufspolitikerinnen. Das liebe Kolleginnen, das macht uns stark. Und das wird auch von anderen gesehen.

Wir nehmen verwundert zur Kenntnis, dass der aktuelle Gesetzesentwurf einen Teil der Ärzteschaft dazu veranlasst, zu versuchen den DHV und andere Interessensvertretungen der Hebammen zu diskreditieren. Sie versuchen sogar durch fragwürdige Umfragen unter den Kolleginnen die Hebammen zu spalten.

Das, liebe Kolleginnen, DAS dürfen wir nicht zulassen! Und dabei ist jede einzelne Hebamme gefragt. Der DHV und auch die anderen Interessensvertretungen der Hebammen mögen vielleicht ihre Mängel haben. Sie alle eint jedoch eins: Als einzige setzen sie sich ohne Hintergedanken und ohne andere Motivationen für die Rechte der Hebammen ein.

Dass wir derzeit diese Attacken von außen erleben ändert nichts – aber auch gar nichts – daran, dass WIR der Meinung sind, dass Frauen einen Anspruch auf die bestmögliche Versorgung durch Hebammen und Frauenärztinnen und Frauenärzte haben. Und daran, dass diese nur dann sichergestellt ist, wenn die beiden Berufsgruppen vertrauensvoll und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Und während wir auf die eine Seite der Ärzteschaft mit Verwunderung und Unverständnis blicken, freuen wir uns zugleich umso mehr, dass sich so viele Frauenärztinnen und Frauenärzte mit uns Hebammen solidarisieren und sich gegen die Polemik des Berufsverbandes positionieren. Denn Sie erkennen uns Hebammen als das an, was wir sind: Kompetente, engagierte, qualifizierte und bereichernde Partnerinnen in der Versorgung und Betreuung von Frauen rund um die Schwangerschaft, die Geburt und im Wochenbett. Diese Ärztinnen und Ärzte freuen sich mit uns, dass unsere Ausbildung endlich an das europäische Niveau angeglichen und damit attraktiv und zukunftssicher gestaltet wird. Mit diesen Ärztinnen und Ärzten ist bereits jetzt eine interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe selbstverständlich und keine Ausnahme. Und das muss schlichtweg die Regel werden.

Eine dieser Frauenärztinnen ist heute hier bei uns und wird mit uns gemeinsam über einen in Deutschland notwendigen “Kulturellen Wandel in der Geburtshilfe” diskutieren. Und ich freue mich ganz besonderes auf diese Diskussion, denn sie blickt in die Zukunft und verharrt nicht in den Ängsten der letzten Jahre. Liebe Frau Seelbach-Göbel, herzlich willkommen!

Liebe Kolleginnen – lassen Sie mich noch einmal auf den Entwurf des Hebammengesetzes zurückkommen. Auf das Kernstück der politischen Arbeit der letzten Monate, wenn nicht sogar Jahre. Der aktuelle Gesetzesentwurf bedeutet, dass wir und unsere Arbeit gesehen werden – und Früchte tragen. Auch wenn noch Veränderungen vorgenommen werden können, ist dieser Entwurf jetzt erst mal eine Tatsache. Eine Tatsache über die wir uns freuen können.

Wir freuen uns darüber, dass der Hebammenberuf vollständig akademisiert wird.

Wir freuen uns, dass die Studiengangsleitung eine Hebamme sein muss.

Wir freuen uns darüber, dass unsere Ideen eines Finanzierungskonzeptes übernommen wurden – so dass unsere zukünftigen Kolleginnen auch ein Studierendengehalt bekommen werden!

Und wir freuen uns über den Erhalt der Hinzuziehungspflicht und der Vorbehaltenen Tätigkeiten.

Liebe Kolleginnen dieser Gesetzesentwurf zeigt: Gemeinsam sind wir stark. Wenn wir solidarisch zusammenstehen, sind wir stark. Wir Hebammen sind starke Frauen. Und Männer. Und gemeinsam werden wir weiterhin erfolgreich sein.

Liebe Kolleginnen, der Gesetzesentwurf ist der Beginn einer tiefgreifenden Weiterentwicklung unseres Berufes. Einer lang überfälligen Entwicklung!

Jetzt werden auch weitere Master- und Promotionsprogramme für Hebammen folgen und es werden endlich Karrieremöglichkeiten für unsere Kolleginnen innerhalb unseres Berufes entstehen. Und in diesem Zusammenhang werden auch unsere direkten Einflussnahme- und Gestaltungsmöglichkeiten steigen und die Arbeitsbedingungen werden sich langfristig an den Erwartungen der Hebammen orientieren.

Das bedeutet nicht nur, dass es attraktiver wird Hebamme zu werden. Es wird auch attraktiver werden Hebamme zu bleiben.

Ich möchte Sie und Ihre tolle Arbeit würdigen, die letztendlich die Grundlage für die jetzigen Entwicklungen ist. Ich möchte auch die vielen Vorreiterinnen der Akademisierung würdigen. Das sind diejenigen Kolleginnen, die neben der Tätigkeit an Hebammenschulen gemeinsam mit Landesvorsitzenden der Hebammenverbände in den Ministerien vorgesprochen haben und den Boden für diese großartige Entwicklung bereitet haben. Und das sind diejenigen Kolleginnen, die es Hebammen in Pflegestudiengängen ermöglicht haben, speziell mit dem Schwerpunkt Hebammenwissenschaft zu studieren. Und es sind diejenigen Kolleginnen, die diese Studiengänge absolviert haben und jetzt selbst Hebammenwissenschaftliche Studiengänge leiten. Auch die DGHWi, als unsere wissenschaftliche Fachgesellschaft, hat einen wichtigen Beitrag geleistet.

Und das liegt mir persönlich ganz besonders am Herzen: Ich möchte auch die wunderbare Arbeit unserer Beirätin für den Bildungsbereich Yvonne Bovermann würdigen! Und all ihre Vorgängerinnen! Und die großartig engagierten Frauen unserer Bildungskommission. Sie alle haben hart gearbeitet und sich irre ins Zeug gelegt. Mit Erfolg!

Wir werden unsere Geschicke selber lenken und wir werden die Zukunft der Geburtshilfe und der Hebammentätigkeit gestalten. Heute und hier machen wir einen Anfang. Gemeinsam, offen und wachsam. Darin sind wir Hebammen, wir Frauen, gut – und ich freue mich auf dieses harte, anstrengende, aber auch so chancenreiche Jahr 2019 mit Ihnen!

Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen und stark sein: Denn Hebamme ist der schönste Beruf der Welt!

Herzlichen Dank.

 

Unter dem Motto:

»HebammenWissen macht’s möglich« lädt der DHV vom 27. bis 29. Mai 2019 zum 15. Hebammenkongress nach Bremen ein. Zur Einstimmung auf den Kongress haben wir verschiedene Personen nach ihren Gedanken zum Thema Hebammenwissen befragt. Die Hebammenforum-Redaktion